Meine Leidenschaft. Mein Beruf. Mein Verband.

Spektakulär in seiner Entstehung - Suevit ist das Gestein des Jahres 2024

Vor etwa 14,8 Millionen Jahren ereignete sich im Herzen Bayerns ein kosmischer Einschlag, als ein gewaltiger Asteroid mit einem Durchmesser von etwa 1,5 Kilometer auf die Erde stürzte. Dieser Aufprall führte zu einer dramatischen Schockwelle, die den Untergrund des Nördlinger Ries erschütterte und gewaltige Mengen an Material in die Atmosphäre schleuderte. Heute findet man im Krater das Impaktgestein Suevit – Unser Gestein des Jahres 2024.

Das „Gestein des Jahres“ sollte nach den Kriterien des Kuratoriums u.a. ein häufig vorkommendes sein. Mit dieser Tradition wird nun gebrochen.

Mit der Nominierung des Suevits zum Gestein des Jahres 2024 soll das Gestein einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht und allgemein auf die Bedeutung der Geowissenschaften und der Gesteine im täglichen Leben hingewiesen werden. Die Präsentation und Taufe im Jahr 2024 erfolgt in Kooperation mit dem UNESCO Global Geopark Ries e.V., dem RiesKraterMuseum in Nördlingen, der Märker Zement GmbH und den Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden.

Entstehung und Vorkommen

Der Suevit ist ein Impaktit, d.h. ein Gestein, das durch den Aufschlag eines Meteoriten entstanden ist. Es handelt sich um eine polymikte (= aus vielen unterschiedlichen Gesteinen zusammengesetzte) Brekzie, die neben zahlreichen Gesteinsbruchstücken auch nennenswerte Anteile von ehemals, durch den Meteoriteneinschlag aufgeschmolzenen Materials aufweist. Eine Besonderheit im Suevit sind die Minerale Stishovit und Coesit, die nur bei extrem hohen Drücken und Temperaturen entstehen. Der Suevit des Nördlinger Ries’ (Bayern) ist eine graue, manchmal rötliche bis grünliche, oft mäßig verfestigte Brekzie mit schwarzen glasigen Schlieren („Flädle“) und hellen Bruchstücken, besonders aus dem kristallinen Untergrund des Kraters.

Der Begriff Suevit geht auf den aus Sachsen stammenden Geologen Adolf Sauer zurück, der im Jahre 1919 erstmals diesen Namen prägte. Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen Suevia für Schwaben ab und bedeutet „Schwabenstein“. Lange Zeit wurde der Suevit als vulkanisches, tuffartiges Gestein („Trass“) angesehen. Erst in den 1960er Jahren setzte sich die heutige Deutung des Rieskraters und damit auch die des Suevits als Produkte eines Meteoriteneinschlages durch. Mit einem nahezu kreisförmigen Durchmesser von etwa 24 km zählt er zu den am besten erhaltenen Impaktkratern der Erde. Der Name Suevit findet inzwischen international auch für Gesteine in anderen Meteoritenkratern Verwendung.

Der Meteoriteneinschlag, der zur Bildung des Nördlinger Ries’ führte, ereignete sich vor etwa 14,8 Millionen Jahren. Durch den Einschlag und die explosionsartige Verdampfung wurde das anstehende Gestein bis in eine Tiefe von 600 m in einem Gemenge aus Bruchstücken, feinstzerkleinertem Material und Schmelzfetzen ausgeworfen. Neben dem Suevit sind auch die Moldavite bekannte Bildungen des Rieskraters. Der Rückfall- oder Kratersuevit füllte den Einschlagskrater zum großen Teil mit Mächtigkeit bis etwa 300–400 m aus. Außerhalb des Kraters finden sich bis in über 20 km Entfernung Ablagerungen des Auswurfsuevit, der sich in Mächtigkeiten von durchschnittlich 12 m aus der Glutwolke auf die ebenfalls wenige Augenblicke vorher abgelagerte Bunte Brekzie legte.

Verwendung

Der Suevit lässt sich gut bearbeiten und wurde deshalb schon von den Römern als Baugestein verwendet.  Die 1505 fertiggestellte St. Georgskirche in Nördlingen mit ihrem 90 m hohen Turm „Daniel“ ist ein bekanntes Beispiel aus der frühen Neuzeit. Auch die Nördlinger Stadtmauer und viele repräsentative Gebäude sind aus Suevit erbaut. Überregionale Beispiele seiner Verwendung sind vor allem aus den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts bekannt: die Oberpostdirektion Grottenau in Augsburg (1908), die heutige Außenstelle des Eisenbahn-Bundesamtes in München (1916), das Königlich-Bayerische Postamt am Ostbahnhof in München (etwa 1910), das Haupttelegraphenamt in Berlin (1916) und das Messehaus „Specks Hof“ in Leipzig (1909). Der Suevit wird noch heute für die Produktion von trasshaltigen Bindemitteln in zwei Steinbrüchen abgebaut.